42. BMW Berlin-Marathon 2015

Der Höhepunkt meines Laufjahres stand an. Der Berlin Marathon, mein zweiter Marathon seit 2008. Ein Marathon ist, wenn man es richtig macht, nicht nur die Leistung am Lauftag, sondern ein Ergebnis eines monatelangen Trainings.

Da ich den ersten Marathon mit sehr wenig Training in über 4 Stunden und 30 Minuten beendete, wollte ich dies mal die 4 Stunden knacken. Also bereite ich mich dieses Mal richtig vor. Im Internet suchte ich mir einen Trainingsplan und entschied für eine Zielzeit von 3h30. Ich dachte mir, wenn ich den Plan nicht zu 100% erfüllen kann, werde ich mich meine Wunschzeit von 4 Stunden auf jeden Fall erreichen. Daher setze ich Trainingsziel höher an.

Am 6. Juli starte ich in meinem Sommerurlaub auf Langeland mit den ersten Trainingsläufen.

Der gewählte Trainingsplan erwies sich auch für Berufstätige als sehr praktikabel. Die längeren Läufe waren jeweils auf Samstag bzw. Sonntag terminiert und so konnte ich dies bspw. hervorragend mit dem Besuch beim Bäcker verknüpfen. Und jeden Sonntag traf ich die gleichen Laufgruppen auf den Feldwegen rund um Kamen.

Die Vorbereitung lief besser als erwartet. Die Trainingsläufe variierten zwischen Dauerläufen, Intervalltrainings und langen Testläufen. Dank meiner Polar V800 habe durchgängig nach Herzfrequenzbereichen trainiert.

Als Testwettkämpfe hatte ich den Nurbürgringlauf und den Kemnader Burglauf bestimmt.

Das Training über 12 Wochen lief bis Trainingswoche 9 problemlos durch, doch dann bekam ein großes Motivationsloch. Die Läufe alleine durch Kamen nutzen sich ab. Selbst Änderungen an der Playlist konnte meine Stimmung nicht steigern und ich kam langsam keine Lust mehr. Einen längeren Lauf am Sonntag brach ich nach 19 km ab, weil ich mich für die restlichen Kilometer nicht mehr aufraffen konnte. Der Körper hatte noch Kraft, aber der Kopf war platt.

Der Trainingslauf für den Phoenixsee Halbmarathon brachte dann einen wichtigen Schub. Beim Testlauf starteten drei Trainingsgruppe und ich ordnete mich bei der 5:00-Gruppe ein. Der erste Lauf in einer Gruppe. Mit Unterhaltungen untereinander. Es lief hervorragend. Bei strömenden Regen und Donnerwetter liefen wir den 5:00-Schnitt.

Die letzten 2 Wochen zeichneten sich durch verminderte Belastungen aus, so dass die letzte Woche komplett unter dem Ziel Carbo Loading stand. Mit jedem Tag weniger

Gut vorbereitet und hoch motiviert ging es Samstagmorgen in die Hauptstadt, um die Startunterlagen abzuholen.

Der obligatorische Besuch beim Italiener mit Nudeln und Tomatensoße läutete den Höhepunkt ein.

Nach dem ich die Nacht überraschend gut geschlafen hatte, ging es früh morgens raus aus dem Bett. Das Programmheft mit Strecke habe ich dann beim leichten Frühstück als letzten Motivationsschub gelesen und anschließend mit voller Vorfreunde die letzten Schritte zum Start zu gehen.

Vor Ort traf ich noch Jockel und Stefan, die ebenfalls die Marathon liefen, jedoch aufgrund der besseren Vorergebnisse in anderen Startgruppen zugeordnet waren.

Ich wartete im letzten Startblock auf den Startschuss. Einerseits wurde ich immer nervöser und andererseits wurde ich immer gelassener. Während andere Starter sich schon stundenlang einreihten, hielt ich mich noch außerhalb der Masse auf.

Dann endlich waren wir dran. Der Countdown wurde auch für uns runtergezählt und die Masse startete auf die 42 km lange Strecke durch Berlin.

Von Anfang an hielt ich mich an meinen Plan, den ich mir vorher noch um mein Handgelenk geklebt hatte. Der erste Kilometer lief ich bewusst noch etwas langsamer, um so richtig ins Rennen zu kommen und nicht dank der Nervosität zu überpowern.

Läufer um Läufer konnte ich überholen und erreichte nach 01:48:45 die Halbmarathon-Marke. Ich war voll im Soll, immerhin hatte ich einen Plan, in dem ich die zweite Hälfte mit einem höherem Tempo laufen sollte. Ich war im Vorherein sehr skeptisch, ob dies klappen wird. Aber es klappte. Kilometer um Kilometer lief ich wie eine Dampflok. Mein Körper zeigte überhaupt keine Schwächen und mein Kopf ließ sich weiter von den Zuschauer-Massen am Streckenrand beflügeln.

Die Verpflegungsstationen sah ich nur noch als Bremsstationen an. Die Leute rasteten dort und nahmen in aller Ruhe ihre Verpflegung ein. So zog ich scharf an die Stationen ran und wechselte mit den Getränkebecher sofort wieder auf die andere leere Straßenseite, um sofort wieder Geschwindigkeit aufzunehmen.

Noch 3 Kilometer. Ich blickte auf die Uhr, um rechnete hoch und realisierte, dass ich die 3:30 heute nicht unterbieten werde. Und plötzlich machte es klick im Kopf. Klick? Nein, es hämmerte. Da war da man mit dem Hammer. Es bremste mich. Mit letzter Motivation kämpfte ich mich plötzlich über die letzten 3 Kilometer. Und dann kam das Brandenburger Tor in Sichtweite. Das Ziel. Mein Ziel. Mein Ziel unter 4 Stunden zu bleiben. Geschafft. Mein Ziel unter 3:45 zu bleiben. Geschafft. Ich riss die Arme in die Luft und jubelnd überquerte ich die Ziellinie. Wahnsinn. Ein so geiler Lauf.

Platz 9072
Platz (Altersklasse: M35) 1579
Platz (Männer) 8270
5 km 00:26:09
10 km 00:52:03 (00:25:54)
15 km 01:17:55 (00:25:52)
20 km 01:43:19 (00:25:24)
HM-1 01:48:45
25 km 02:08:22 (00:25:03)
30 km 02:33:46 (00:25:24)
35 km 02:58:48 (00:25:02)
40 km 03:23:57 (00:25:09)
42 km 03:35:33 (HM-2 01:46:48)

Fotoquelle: http://www.bmw-berlin-marathon.com/news-und-media/pressebereich/